Rund um die Sommersonnenwende im Juni werden in vielen Regionen in Österreich die sogenannten Sonnwendbüscherl oder Sonnwendsträußchen gebunden. Es sind kleine oder größere Sträuße die je nach Region unterschiedliche Blumen und Heilkräuter enthalten. Sie sollen Schutz und Segen für das kommende Jahr spenden.
Was ist ein Sonnwendbüscherl?
Ein Sonnwendbüscherl soll ähnlich wie der Kräuterbuschen zu Maria Himmelfahrt im August Schutz und Segen bringen. Das Sonnwendbüscherl soll vor den starken Gewittern, die im Sommer auf uns zukommen, schützen. Teilweise wird es, wenn es getrocknet ist und ein Gewitter heranzieht, auch verräuchert.
Je nach Region werden richtige Sträuße oder kleine, herzförmige Büscherl oder auch Kränze gebunden. Sie alle haben eines gemeinsam – sie sollen Schutz und Segen spenden. Teilweise werden sie in den Höfen und Häusern aufgehangen, oder an Freunde und Familie weitergeschenkt.
Welche Pflanzen sind im Sonnwendbüscherl enthalten?

Meistens ist das Johanniskraut, Margariten und Klee ein fester Bestandteil eines solchen Büscherls. Eine andere besondere Pflanze ist der Ehrenpreis. Mit seinen blauen Blüten zählt der zu den Regenpflanzen. Im Volksmund heißt der Ehrenpreis auch „Nebm-aus“, das deutet darauf hin, dass Gewitter und Unwetter einfach nebenaus (vorbei) gehen sollen.
Ich persönlich binde in mein Sonnwendbüscherl, oder auch in meinen Kräuterbuschen im August, meistens Blumen und Heilkräuter die ich gerade finde.
Gelbe und blau blühende Pflanzen gelten allgemein als Wetterpflanzen.
Wie bindet man ein Sonnwendbücherl?
Du kannst dein eigenes Sonnwendbüscherl zu einem schönen Strauß binden. In die Mitte von deinem Strauß kannst du, wenn sie bei dir schon blühen, eine Königskerze geben und dann rund um diese sogenannte Wetterfackel die anderen Blumen und Heilkräuter binden. Im Bild hier siehst du einen von mir gebundenen Kräuterbuschen für den Maria Himmelfahrt im August.

Wenn du kleinere Bündel binden möchtest, die du dann zum Beispiel als kleine Glücksbringer an deine Freunde und Familie verschenkst, dann verwende am besten ein Haselnuss- oder Eichenblatt als Untergrund und binde dann alle verwendeten Kräuter auf das Blatt hinauf. In diesem Bild siehst du einen dieser Glücksbringer, den mir meine Oma gebunden und geschenkt hat.

Warum bindet man ein Sonnwendbüscherl?
Das Binden von Sonnwendbüscherl und Sonnwendsträußen hat eine lange Tradition und ist im bäuerlichen Jahreskreis fest verankert. Wie bereits geschrieben, wurden die typischen Sonnwend- oder Wetterkräuter dafür verwendet.
Da im Juni die Zeit der starken Sommergewitter erst kommt und diese früher noch größere Bedrohungen für Haus, Vieh und Hof darstellten versuchte man sich durch das Binden von diesen Büscherln zu schützen und zu helfen. Meine Großmutter war 27 Jahre lang Sennerin auf der Niederhüttenalm in der Steiermark und hat mir häufig davon erzählt, wie gefährlich und wie beängstigend es war, ein Gewitter auf der Alm zu verbringen. Bauern waren von den wenigen Stücken Vieh das sie besaßen abhängig und ein Gewitter auf einer Alm stellte eine sehr große Bedrohung dar.
Für die meisten von uns stellen Gewitter zum Glück heute keine lebensbedrohende Gefahr mehr da, das war aber vor 50 oder 60 Jahren noch anders.
Manchmal wurden aus dem getrockneten Buschen ein paar Kräuter herausgenommen und verräuchert. In Häusern in denen ein sogenannter Herr-Gotts-Winkel existiert, wurde das Büscherl dort bis zum nächsten Jahr aufbewahrt und im nächsten Jahr dann beim Sonnwendfeuer verbrannt. Ähnlich wie beim Palmbuschen.
Mein Tipp: Das Johanniskraut ist ein Räucherkraut, dass du nicht nur bei Gewittern, sondern auch bei dicker Luft nach einem Streit, oder in deinem Büro bzw. dort wo Computer stehen verräuchern kannst. Es entläd die Luft und reinigt.

Wenn du mehr über die Sommersonnenwende wissen möchstest, dann sieh dir am besten diesen Artikel von mir an.
Hast du schon einmal selbst ein Sonnwendbüscherl gebunden oder möchtest du die Gelegenheit nutzen und in diesem Jahr selbst Kräuter sammeln und eines binden? Teile es in den Kommentaren mit mir, ich freue mich von dir zu lesen.



