
Kaum zu glauben, dass wir nach diesem Fest im Juni dann in die dunklere Jahreshälfte eintreten. Aus diesem Grund gilt sie als ein wichtiger Wendepunkt im Jahr. Gefühlt hat der Sommer zu dieser Zeit im Juni aber noch gar richtig begonnen. Mehr zum 4. Fest im Jahreskreis liest du in diesem Beitrag.
Was ist die Sommersonnenwende?
Die Sommersonnenwende ist ein Fest, das im alten Jahreskreis verankert ist. Der alte Jahreskreis wurde bereits von unseren vorchristlichen Ahnen gefeiert und teilt sich in acht Jahreskreisfeste. Mehr zum alten Jahreskreis kannst du in diesem Beitrag lesen.
Gemeinsam mit der Wintersonnenwende, der Frühlings- und Herbsttagundnachtgleiche bildet die Sommersonnenwende das Kreuz, das den Jahreskreis aufspannt.

In der Zeit rund um die Sommersonnenwende, also um den 21. Juni ist der Sonnenstand am höchsten. Die Sommersonnenwende ist der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres. Die Sonne spendet Leben, viele Heilkräuter werden zu dieser Zeit gesammelt und im Garten beginnt das erste Gemüse zu reifen. Auch unsere vorchristlichen Ahnen feierten mit der Sommersonnenwende diese pure Lebenskraft. Gleichzeitig ist die Sommersonnenwende aber auch ein Wendepunkt hinein in die dunklere Jahreshälfte. Gefeiert wird sie je nach Jahr am 21. oder am 22. Juni.
Wie kann ich die Sommersonnenwende feiern?
Vielleicht kennst du sogar schon Rituale die wir zur Sommersonnenwende feiern, sie sind dir aber gar nicht bewusst. Ich kenne zum Beispiel das Entzünden von Sonnwendfeuern schon seit meiner Kindheit, oder das Binden von Sonnwendbüscherln.
Sonnwendfeuer
Ein Ritual um die Sommersonnenwende zu feiern sind die Sonnwendfeuer. In den Alpenregionen werden in dieser Nacht auch häufig Feuer auf Bergen entzündet, die dann kilometerweit leuchten und erkennbar sind. In der Region, in der ich wohne, werden auf den umliegenden Gipfeln viele Feuer entzündet, die man von weit her sehen kann. Ich liebe es die Sommersonnenwende in meinen Bergen zu verbringen.
Im bäuerlichen Jahreskreis wurde früher das Vieh durch zwei Feuer getrieben. Dem Feuer wurden nämlich magische Kräfte zugeschrieben und das Vieh sollte so das ganze Jahr über vor Krankheiten und Schaden bewahrt werden. Auch die Asche der Sonnwendfeuer wurden magische Kräfte zugesprochen. Wenn sie auf den Feldern verstreut wurde, war das ein Segen im Erntejahr. Das gleiche wird auch mit der Asche von Osterfeuern gemacht.

Sonnwendbüscherl binden
So richtig beginnt der Sommer erst nach der Sommersonnenwende. Zumindest die Zeit von Sommer Gewittern mit Hagel und Stürmen. Daher ist es eine lange Tradition, Sonnwendbüscherl zum Schutz vor schlechtem Wetter zu binden, diese zu trocknen und dann zuhause aufzuhängen. Welche Anzahl an Pflanzen und welche Pflanzen genau ein Teil der Sonnwendbüscherl sind variiert von Region zu Region. Ein fester Bestandteil in den meisten Regionen ist die Königskerze, sie bildet meistens die Mitte vom Sonnwendbüscherl.
Ich binde jedes Jahr gerne selbst kleinere Sonnwendbüscherl, die ich dann mit lieben Worten versehe und dann an meine Familie und Freunde verschenke. Ein pflanzlicher Glücksbringer sozusagen.
Du kannst für dein Sonnwendbüscherl zum Beispiel Johanniskraut, Ringelblume, Alant, Schafgarbe, Wollgras, Dost, Haselnussblätter, Eichenblätter, Königskerze, Farnblätter, Reinfarn oder Berufkraut verwenden. Mehr über das Sonnwendbüscherl kannst du in diesem Beitrag von mir nachlesen.

Johanniskrautöl ansetzen
Johanniskraut sollte möglichst kurz nach der Blüte gesammelt und verwendet werden. Die Zeit rund um die Sommersonnwende ist daher gut geeignet um ein eigenes Johanniskrautöl anzusetzen. Für mich ist es ein unverzichtbarer Teil in meiner Naturapotheke, das ich nicht nur bei Verbrennungen und Verspannungen verwende, sondern auch gerne zu einer After Sun Body Butter verarbeite. Wie du dein eigenes Johanniskrautöl ganz einfach herstellen kannst, das liest du in diesem Beitrag.
Überliefertes Brauchtum zur Sommersonnenwende
Auch im bäuerlichen Jahreskreis sind die Sonnwendfeuer fest verankert, in manchen Dörfern werden richtige Feste gefeiert, es wird gegrillt und musiziert. Diese werden teilweise zur Sommersonnenwende, oder teilweise am Abend des 23. Juni, einen Tag vor dem Johannistag entzündet.
Um den 29. Juni zum Festtag von Peter und Paul (Petrus und Paulus) werden in manchen Regionen ebenfalls Feuer auf Bergspitzen entzündet. In der Weststeiermark und im Bereich Graz Umgebung kennt man das sogenannte Sunnwendrachn, dabei werden auf die Sonnwendfeuer immer wieder frische Fichtenzweige gelegt damit Rauch entsteht. Wenn dieser Rauch dann die Felder erreicht, dann verspricht man sich eine gute Ernte im kommenden Jahr.
Sonnenräder werden entzündet und von Bergen gerollt. Durch das Rollen werden sie kleiner und velieren an Leuchtkraft und symbolisieren so das kleiner Werden des Lichtes. Ein weiterer schöner Brauch, der vor allem im nördlichen Europa (in meinem über alles geliebten Schweden) zu Midsommar praktiziert wird ist das Binden von Blumenkränzen. Diese Blumenkränze symboliseren Wiedergeburt und Fruchbarkeit.
Im bäuerlichen Jahreskreis werden Schutzkräuter in die Sonnwendkranzl gebunden und diese Kränze werden am Haus oder am Hof angebracht. In Tirol wird dem Farn eine ganz besondere Kraft zugesprochen. Er gilt als wahres Goldstück. Wer sich in der Nacht von 23. auf 24. Juni mit einem einzigen Farnblatt auf den Weg macht, der wird eine Goldader finden. Anderen Erzählungen nach machen Farnsamen, die in der Nacht der Sommersonnwenden gesammelt werden unsichtbar. Man sagt, dort wo viel Farne wachsen, dort halten sich viele Naturwesen auf.
Räuchern zur Sommersonnwende
Ebenso wie es rund um die Wintersonnenwende die Rauhnächte gibt, so gibt es auch rund um die Sommersonnenwende zwölf magische Nächte. Sie werden je nach Quelle auch als weiße Nächte bezeichnet. In diesen Tagen kannst du – ähnlich wie zur Wintersonnenwende – vermehrt räuchern.
Persönliche Rituale für die Sommersonnenwende
Hier habe ich Vorschläge für deine ganz persönlichen Rituale für die Sommersonnenwende. Wie wäre es, wenn du deine eigene Sonne in dir wieder erstrahlen lässt?
Meine Sonnwendspirale
Du kannst zum Beispiel eine Sonnwendspirale aus Naturmaterialien wie Zapfen, Blumen, Ästen oder Steinen legen. In die Mitte der Spirale kannst du eine Kerze entzünden, oder einen schönen Blumenstrauß stellen. Gehe nun ganz bewusst hinein in die Spirale. Atme langsam ein und aus. Wnn du in der Mitte der Spirale angelangt bist, dann überlegst du dir, was du nicht mit in die zweite Jahreshälfte nehmen willst. Das lässt du dann gedanklich in der Mitte liegen. Nun gehst du wieder ganz bewusst hinaus aus der Spirale. Die Spirale ist ebenso ein wichtiges Symbol für die Wintersonnenwende.
Mit der Sonne verbinden
Ein weiteres schönes, persönliches Ritual ist es, sich mit der Sonne zu verbinden. Dafür suchst du dir um die Mittagszeit am Tag der Sommersonnenwende einen ruhigen Platz in der Sonne. Stelle dich aufrecht hin, spüre deine Füße am Boden und atme ein paar Mal ein und aus. Beginne jetzt, deine Arme nach oben auszubreiten, so als würdest du nach der Sonne greifen. Verbinde dich mit der Sonne und mit ihrer Wärme und Kraft. Bedanke dich für ihre Lebenskraft die sie dir spendet und stell dir dabei vor, wie deine Dankbarkeit aus deinen Armen und Fingerspitzen zur Sonne fließt. Dann bittest du darum, dass sich dieser enstandene Energiefluss umdreht und auch du die Liebe und Dankbarkeit der Sonne empfangen darfst. Spüre, wie dich das Licht der Sonne einhüllt und erfüllt.
Welche Heilkräuter wachsen rund um die Sommersonnenwende?
Rund um die Sommersonnenwende ist die Zeit um die sogenannten Johannikräuter zu sammeln. Zu den Johannikräuter zählen Pflanzen mit gelben Blüten. Man sagt, dass alle diese Pflanzen die Kraft der Sonne in sich tragen. Dazu gehören zum zum Beispiel:
- Königskerze – löst zähen Schleim bei Husten, wirkt reizlindernd
- Holunderblüten – unterstützen als Tee in der Grippezeit
- Johanniskrautblüten – zur Stärkung der Nerven oder als berühmtes Johanniskrautöl gegen Verletzungen und Verspannungen
- Ringelblumenblüten – zum Herstellen einer Ringelblumensalbe bei kleineren Verletzungen im Alltag
- Lindenblüten – in Kombination mit Holunderblüten und Mädesüß kannst du einen herrlichen Grippetee daraus herstellen, wirkt auch beruhigend und kann bei Schulkindern angewendet werden
Du siehst also, die großen Themen der Sommersonnwende sind Schutz, Fruchtbarkeit und Übergang. Wie wärs, vielleicht schnappst du dir in dieser Zeit im Juni dein Körbchen und gehst Kräuter sammeln.
Ich bin neugierig, welche Bräuche rund um die Sommersonnenwende gibt es in deiner Region? Schreib es mir gerne in die Kommentare, damit wir unser altes Wissen gemeinsam vermehren.
Bildquelle Sprung übers Sonnwendfeuer:



