Mein Gemüsegarten versorgt mich und meine Familie momentan in Hülle und Fülle. Ich komme mit dem Ernten, Einkochen und Kräuter sammeln kaum hinterher. Gleichzeitig spüre ich aber schon eine ganz leise Ahnung vom Herbst. Dann weiß ich, die Zeit von Lughnasadh hat begonnen.
Was ist Lughnasadh?
Lughnasadh ist ein Fest, das im keltischen Jahreskreis verankert ist. Der keltische Jahreskreis teilt das Jahr in acht Feste die im Wesentlichen das ganze Leben widerspiegeln. Sie handeln von wachsen, werden und vergehen und wiederholen sich Jahr für Jahr. Jedes dieser Jahreskreisfeste hat eine eigene Bedeutung und sein eigenes Thema. Zu Samhain ehren wir unsere Ahnen, zur Sommersonnenwende feiern wir die Kraft der Sonne und zu Lughnasadh feiern wir die erste Ernte im Jahr. Für uns mag das heute vielleicht nicht mehr so wichtig sein, aber unsere Vorfahren (bei mir war es sogar noch meine Oma!) warteten meistens schon sehnsüchtig auf den Getreideschnitt, damit sich die Vorratskammern wieder mit Getreide und in weiterer Folge mit Brot füllen konnten. Daher kommt auch die Bezeichnung Brotfest oder Lammas. Auch diese Namen wirst du vermutlich im Zusammenhang mit Lughnasadh häufiger zu lesen bekommen.

Was ist das Thema von Lughnasadh?
Jetzt sind wir auch schon beim Thema von Lughnasadh angekommen – der ersten Ernte oder auch dem Getreideschnitt. Aber was heißt das konkret für unsere heutige Zeit? Den Getreideschnitt kann man symbolisch betrachten für einen Schnitt im eigenen Leben. Einen Schnitt der das trennt, was man loslassen möchte. Aber auch für die Ernte die man in diesem Jahr schon einfahren konnte. Was hast du auf persönlicher Ebene in diesem Jahr schon ernten können? Wo sind die Samen, die du gesät hast gekeimt und gewachsen und sind jetzt reif um die Früchte deiner Arbeit zu ernten?
Ein weiteres Thema von Lughnasadh ist das Vorsorgen. Die Natur versorgt uns schon in Hülle und Fülle mit Obst und Gemüse. Damit können wir uns einerseits im Hier und Jetzt versorgen und das haltbar machen, wovon wir dann im Herbst und Winter essen können. Alles was wir jetzt ernten und verarbeiten versorgt uns und unsere Liebsten. Nicht nur Obst und Gemüse, auch viele Heilkräuter werden im Sommer geerntet. Im August so sagt man, haben sie die dreifache Kraft. Darum ist Lughnasadh auch eine schöne Möglichkeit eine eigene Hausapotheke mit Heilkräutern anzulegen.
Das Fest der ersten Ernte ist ein in der katholischen Kirche unbekanntes Fest, ähnlich wie Beltane wurde es nicht übernommen. Die katholische Kirche hat den August jedoch zu einem Marienmonat gemacht mit vielen Marientagen.

Wann wird Lughnasadh heute gefeiert?
Man geht davon aus, dass Lughnasadh von unseren keltischen Ahnen zum 8. Vollmond nach der Wintersonnenwende (Erntemond, Harvest Moon, Störmond) gefeiert wurde. Da es ein Mondfest ist, gibt es keinen „fixen Termin“ wann es gefeiert wird. In der neudheidnischen Szene hat sich der 01. August als Datum etabliert, es kann aber auch in der abnehmenden Mondphase im Juli/August gefeiert werden, oder am 15. August zu Maria Himmelfahrt – dem Tag der hohen Frau.
Ich bin der Meinung, dass es keinen richtigen und keinen falschen Termin zum Feiern gibt. Das Thema Ernten und Vorräte anlegen begleitet uns ja nicht nur genau an einem Tag, sondern über Wochen hinweg.
In der Alpenregion verbinden viele Menschen die Erntezeit vor allem mit Maria Himmelfahrt und mit dem Binden von Kräuterbuschen und der Kräuterweihe in der Kirche.
Wie kann ich Lughnasadh heute feiern?
Die Jahreskreisfeste erleben in den letzten Jahren zum Glück wieder einen wahren Boom und immer mehr Leute beginnen sich damit auseinander zu setzen und sie auch zu feiern. Ich finde es auch eine sehr schöne Möglichkeit, wenn man sie mit Kindern feiert und ihnen so die Natur schon in jungen Jahren näher bringt.
- am 15. August zu Maria Himmelfahrt einen Kräuterbuschen binden
- Brot backen und an Freunde und Familie verteilen
- Kräuter sammeln gehen
- Einkochen und haltbar machen
- die eigene Ernte bestaunen und dafür dankbar sein
- auf persönlicher Ebene reflektieren – was will ich loslassen?
- Marmelade einkochen
- aus getrocknetem Korn eine Kornmutter basteln
- eine eigene Kräuterweihe machen
- die Geschichte von Frederik der Maus erzählen (vor allem für Kinder)

Wie zeigt sich die Natur zum Fest?
Schön langsam zeigen sich die ersten Herbstboten. Das Licht wird goldener, in manchen Gebieten ziehen morgens schon Nebelschwaden übers Land und Cyklamen beginnen zu blühen. Gleichzeitig steht aber alles in seiner vollen Kraft und Obst und Gemüse sind in Hülle und Fülle vorhanden. Man spricht im August von einer naturmagischen Zeit, das heißt, das alles seine dreifache Kraft annimmt. Wir stehen an der Schwelle zwischen Sommer und Herbst. Meine Mama und früher auch meine Oma haben immer gesagt, dass jeder Badetag nach dem 15. August ein Geschenk ist.
Welche Heilkräuter werden zu Lughnasadh gesammelt?
Im August ist der richtige Zeitpunkt um sich um die eigene Hausapotheke für das kommende Jahr Gedanken zu machen. Das gilt natürlich nur für die Heilkräuter, die du selbst sammeln möchtest.
Ich persönlich sammle im August alles, von dem ich weiß dass ich und meine Familie es in den Wintermonaten benötigen werden. Dazu gehören zum Beispiel Hustenkräuter wie der Quendel. Quendel sammle ich am liebsten, wenn ich in den Bergen unterwegs bin.
Prinzipiell können aber alle Kräuter die noch blühen gesammelt werden. Auch das Johanniskraut kannst du im August noch sammeln, zum Beispiel bei einer Wanderung. In den Bergen beginnt die Blütezeit immer später als im Tal. Zudem sagt man, dass Heilkräuter ab einer Höhe von etwa 1600 m.üA heilkräftiger sind als jene im Tal.
- Johanniskraut (in den Bergen)
- Dost
- Thymian
- Goldrute
- Labkraut
- Schafgarbe
- Frauenmantel
- Rotklee
- Beifuß
- Königskerze
- Ringelblume
Abschließend habe ich noch einige Reflektionsfragen für dich. Nimm dir im August gerne einen Moment für dich Zeit und beantworte sie.
Reflektionsfragen für dich:
- wovon will ich mich trennen?
- was darf nun in Liebe und Dankbarkeit zu Ende gehen?
- was passt nicht mehr zu mir und in mein Leben?
- wozu werde ich ab jetzt Nein sagen?
- welche Ernte konnte ich für mich persönlich bis jetzt einbringen?
- welche Fülle hat sich in diesem Jahr in meinem Leben entfaltet?



