Naturapotheke selber machen – sanft & wirksam für den Alltag

Immer wieder stolpert man über denselben Begriff: Naturapotheke.
Aber was ist das eigentlich genau?
Lohnt es sich, eine Naturapotheke selber zu machen? Und braucht man dafür jahrelange Erfahrung mit Heilpflanzen?

Die kurze Antwort: Nein – du musst kein Heilpflanzenprofi sein.
Eine Naturapotheke lässt sich einfacher umsetzen, als viele denken.

In diesem Artikel zeige ich dir,

  • was eine Naturapotheke ist,

  • wofür sie gedacht ist

  • und wie du dir mit wenigen, gut ausgewählten Mitteln deine eigene Naturapotheke für den Alltag zusammenstellen kannst.

Ein Glas mit Ringelblumenblüten und Braunelleblüten für die Herstellung einer Ringelblumensalbe für eine Naturapotheke auf einem Holztisch von oben.

Was ist eine Naturapotheke?

Unter einer Naturapotheke verstehe ich pflanzliche Hilfsmittel für kleine Beschwerden im Alltag.
Viele davon kennst du vermutlich schon aus deiner Kindheit – vielleicht ohne sie so zu nennen.

Zum Beispiel:

  • die Essigpatscherl, die deine Mama bei Fieber aufgelegt hat

  • oder der Arnika-Schnaps, den die Oma hervorgeholt hat, wenn beim Radfahren die Knie aufgeschlagen waren

Das waren meine ersten Berührungspunkte mit einer Naturapotheke – lange bevor ich mich bewusst mit Heilpflanzen beschäftigt habe.

Eine Naturapotheke ist also nichts Neues oder Exotisches. Sie basiert auf überliefertem Wissen, Erfahrung und einfachen Zutaten aus der Natur.

Lohnt es sich, eine Naturapotheke selber zu machen?

Definitiv!
Mit einer eigenen Naturapotheke bist du für kleine Beschwerden im Alltag gut gerüstet – und unabhängig von Öffnungszeiten oder Verfügbarkeiten. Wenn du etwas brauchst, hast du es sofort zur Hand.

Mit der Zeit und wachsender Erfahrung im Umgang mit Heilpflanzen kannst du deine Naturapotheke Schritt für Schritt erweitern. Ganz in deinem eigenen Tempo und nach deinen Bedürfnissen.

Viele empfinden das Herstellen von Kräuterölen, Salben oder Auszügen außerdem als kleine Auszeit vom Alltag – eine ruhige, entschleunigende Tätigkeit, die nur dir gehört.

Eine selbst gemachte Naturapotheke hat viele Vorteile. Du weißt genau, welche Zutaten enthalten sind und kannst auf unnötige Zusatzstoffe verzichten. Gleichzeitig lassen sich die Mittel individuell an deine Bedürfnisse anpassen – zum Beispiel bei empfindlicher Haut oder für Kinder.

Das Sammeln und Verarbeiten von Heilpflanzen schafft außerdem eine bewusste Verbindung zur Natur und zum Jahreskreis. Viele erleben das Herstellen von Salben, Ölen oder Auszügen als entschleunigend und wohltuend – eine kleine Auszeit im Alltag.

Nicht zuletzt fördert eine eigene Naturapotheke Wissen und Selbstvertrauen im Umgang mit Heilpflanzen. Du wirst unabhängiger, nachhaltiger und entwickelst mit der Zeit ein feines Gespür dafür, was dir und deiner Familie guttut.

Was gehört in eine Naturapotheke?

Eine Naturapotheke ist immer individuell.
Sie sollte zu den Beschwerden passen, die dich oder deine Familie im Alltag am häufigsten begleiten.

Ein paar Beispiele:

  • Bei Verspannungen oder Muskelbeschwerden helfen wärmende Öle oder Salben

  • Bei kleinen Wunden, rissiger Haut oder Schürfungen sind pflegende Salben sinnvoll

  • Bei Magen-Darm-Beschwerden oder Erkältungen können Tees, Sirupe oder Honigauszüge unterstützen

Wichtig ist: Du musst nicht alles auf einmal herstellen. Wenige, gut gewählte Mittel reichen völlig aus. Mit der Zeit kannst du deine Naturapotheke ja dann immer wieder erweitern.

Ein wichtiger Hinweis

Eine Naturapotheke ersetzt keinen Arztbesuch.
Wenn Beschwerden länger als drei Tage anhalten, sich verschlimmern oder regelmäßig auftreten, solltest du medizinischen Rat einholen.
Auch bei der Einnahme von Medikamenten gilt: Bitte vorher abklären. Heilpflanzen wirken – oft stärker, als man denkt.

Johanniskrautöl – ein vielseitiges Haut- und Muskelöl

Johanniskrautöl ist ein echter Klassiker der Naturapotheke. Ich stelle es jedes Jahr für Familie und Freunde her. Die perfekte Zeit um Johanniskraut zu sammeln ist rund um die Sommersonnenwende.

Du kannst es unter anderem verwenden:

  • bei leichten Verbrennungen der Haut

  • zur Beruhigung sonnenstrapazierter Haut im Sommer

  • bei Verspannungen, da es wärmend auf die Muskulatur wirkt

Für die Hautpflege trägst du das Öl am besten auf leicht feuchte Haut auf. Das gilt übrigens für alle Hautöle – so wird die Feuchtigkeit eingeschlossen und das Öl zieht schneller in die Haut ein.
Bei Verspannungen eignet es sich wunderbar als Massageöl.

Hinweis: Johanniskrautöl kann die Haut lichtempfindlich machen und sollte daher nicht direkt vor dem Sonnenbaden verwendet werden.

Ringelblumensalbe – bei Wunden und Entzündungen der Haut

Die Ringelblumensalbe ist ein echter Allrounder in der Naturapotheke.

Sie eignet sich auch für empfindliche Haut und wird oft sogar bei Babyhaut verwendet.

Im Vergleich zu Arnika ist sie deutlich sanfter und daher für viele Hauttypen gut verträglich.

Du kannst Ringelblumensalbe unter anderem verwenden:

    • bei kleineren Wunden und Schürfungen

    • bei trockener und rissiger Haut

    • zur Pflege von Haut und Lippen

    • bei sehr beanspruchter oder gereizter Haut

    • begleitend bei Hautproblemen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte und Akne 

    • bei Windeldermatitis 

Eine einfache Anleitung zur Herstellung von Ringelblumensalbe findest du hier

 

Pechsalbe – Gold des Waldes

Mit einer Pechsalbe holst du dir ein kleines Stück Wald in deine Naturapotheke.
Das sogenannte Pech ist das Harz von Nadelbäumen. Bäume nutzen dieses Harz, um ihre eigenen Wunden zu verschließen und vor Keimen zu schützen.

Diese Eigenschaften macht sich auch die Pechsalbe zunutze.

Du kannst Pechsalbe unter anderem verwenden:

  • bei Entzündungen der Haut und der Gelenke

  • zur Pflege sehr rissiger Haut (nicht täglich, da sie stark wirkt)

  • bei Muskelverspannungen

  • bei Erkältungen und Husten 

Das alte Rezept für Pechsalbe findest du in einem eigenen Beitrag.

Zutaten für Pechsalbe: Fichtenharz, Bienenwachs und Olivenöl als Basis für die selbstgemachte Harzsalbe.

Oxymel – Honig & Essig als Heilmittel

Oxymel ist bereits seit der Antike bekannt.
Das klassische Oxymel simplex besteht nur aus Honig und Essig. Je nach Bedarf kann es zusätzlich mit Kräutern oder Früchten angesetzt werden – passend zu dem, wofür du es verwenden möchtest.

Oxymel simplex kannst du unter anderem nutzen:

  • zur Unterstützung von Magen und Darm

  • als erfrischendes Getränk, zum Beispiel an warmen Tagen

  • zur Stärkung des Immunsystems

  • zur Anregung des Stoffwechsels

Eine einfache Anleitung, wie du Oxymel selbst herstellen kannst, habe ich dir hier aufgeschrieben.
„Frisch angerührtes Oxymel aus Honig und Apfelessig in einem Glas mit Löffel.“

Naturapotheke selber machen – Fazit

Eine eigene Naturapotheke entsteht nicht über Nacht. Sie wächst mit deinen Erfahrungen, deinen Bedürfnissen und den Jahreszeiten. Vielleicht beginnst du mit einer Salbe oder einem Öl – und erweiterst sie nach und nach. In den einzelnen Beiträgen zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du die wichtigsten Bestandteile deiner Naturapotheke selbst herstellen kannst.

Wichtig ist nicht die Menge, sondern der bewusste Umgang mit den Pflanzen und ihren Anwendungen. So wird deine Naturapotheke zu einem verlässlichen Begleiter im Alltag.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen
×