Mabon: Was steckt hinter der Herbst-Tagundnachtgleiche?

Am 23. September ist es wieder so weit: Tag und Nacht halten sich für einen Moment die Waage. Im Jahreskreis wird dieses Fest oft Mabon genannt – nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche im März das zweite Gleichgewichts-Fest im Jahr. Was steckt dahinter, und warum lohnt es sich, diesen Tag bewusst zu begehen?

Das zweite Erntefest im Jahr

Mabon gilt als das zweite große Erntefest im keltisch geprägten Jahreskreis – nach Lughnasadh Anfang August. Während unsere Vorfahren beim ersten Erntefest vor allem das Korn einbrachten, dreht sich Mabon um die Fülle, die der Herbst uns jetzt schenkt: Äpfel, Nüsse, Kürbisse – und natürlich die roten und blauschwarzen Beeren unserer Hecken.

Für unsere Ahnen war eine gute Ernte überlebenswichtig. Kein Wunder also, dass diesem Fest große Dankbarkeit gewidmet wurde – der Erde selbst, aber auch dem eigenen Fleiß, der über das Jahr hinweg in die Ernte geflossen ist.

Gleichgewicht als zentrales Thema von Mabon

Neben der Dankbarkeit steht bei Mabon ein zweites großes Thema im Mittelpunkt: das Gleichgewicht. An kaum einem anderen Tag im Jahr sind Licht und Dunkelheit so exakt ausgeglichen wie zur Tagundnachtgleiche. Ab diesem Moment kippt die Waage jedoch – die Nächte werden wieder länger, die dunkle Jahreshälfte beginnt.

Dieser Moment der Balance lädt dazu ein, auch bei uns selbst nachzuschauen: Wo bin ich gerade im Gleichgewicht – und wo vielleicht nicht? Wo darf ich loslassen, was mich nicht mehr trägt, und wo darf ich mich neu erden?

Woher kommt der Name „Mabon“?

Der Begriff „Mabon“ ist übrigens deutlich jünger, als viele annehmen – er tauchte erst in den 1970er-Jahren im neuheidnischen Wicca-Umfeld auf und geht auf eine walisische Sagengestalt zurück. Das Fest selbst – Erntedank zur Tagundnachtgleiche – wurde aber mit großer Wahrscheinlichkeit schon von unseren vorchristlichen Ahnen in irgendeiner Form began­gen, auch wenn der Name eine moderne Zuschreibung ist.

Mabon-Rituale und Bräuche für zu Hause

Du musst kein bestimmtes Ritual befolgen, um diesen Tag bewusst zu erleben. Kleine, einfache Gesten reichen oft schon:

  • Dankbarkeits-Moment: Nimm dir ein paar Minuten Zeit und überlege, wofür du in diesem Jahr dankbar sein darfst – große wie kleine Dinge.
  • Erdung: Geh barfuß über eine Wiese, balanciere über einen umgefallenen Baumstamm oder mach einen bewussten Spaziergang im Wald.
  • Ernte einbringen (im übertragenen Sinn): Was hast du dieses Jahr „geerntet“? Welche Ziele hast du erreicht, welche Erfahrungen gemacht?
  • Loslassen: Was darf mit dem Herbst zu Boden fallen, so wie die Blätter der Bäume?
  • Vorräte anlegen: Ganz praktisch – jetzt ist die Zeit, Herbstfrüchte zu verarbeiten und für den Winter vorzusorgen (mehr dazu in meinem Artikel über Herbstbeeren fürs Immunsystem).

Reflexionsfragen für deine persönliche Zeit der Herbst-Tagundnachtgleiche

Mabon eignet sich wunderbar, um innezuhalten und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen. Nimm dir dafür ruhig etwas Zeit – vielleicht bei einer Tasse Tee oder auf einem Spaziergang – und stell dir ein paar dieser Fragen:

  • Welche „Früchte“ durfte ich dieses Jahr ernten – wo habe ich mich weiterentwickelt oder etwas erreicht?
  • Wofür bin ich in diesem Jahr besonders dankbar?
  • Was hat mich in letzter Zeit immer wieder aus meinem Gleichgewicht gebracht – und was würde mir helfen, es zurückzufinden?
  • Was möchte ich bewusst loslassen, bevor die dunkle Jahreshälfte beginnt?
  • Wie kann ich mich in den kommenden Wochen gut auf den Winter vorbereiten – körperlich wie seelisch?

Du musst diese Fragen nicht alle auf einmal beantworten. Manchmal reicht es schon, sie sich einfach zu stellen und den Antworten Raum zu geben. Ich persönlich setze mich gerne hin, nehme mir Zeit und schreibe mir die Fragen dann auf.

Kleine Rituale für den Alltag

Erdung über Farbe und Berührung: Sammle ein paar bereits gefallene, braune Blätter und leg sie als kleinen „Teppich“ auf den Boden. Stell dich – wenn möglich barfuß – darauf und spüre bewusst den Kontakt zur Erde. Das hilft nicht nur körperlich, sondern oft auch seelisch, wieder mehr in die eigene Mitte zu finden.

Ein Dankes-Mandala legen: Sammle auf einem Spaziergang bunte Blätter, kleine Früchte, Zapfen oder Steine. Leg daraus an einem schönen Platz in der Natur ein kleines Mandala – für jedes Teil, das du ablegst, darfst du innerlich „Danke“ sagen für etwas, das dir dieses Jahr geschenkt wurde.

Eine Schwelle bewusst übertreten: Suche dir auf einem Spaziergang einen „natürlichen Torbogen“ – zum Beispiel zwei eng beieinanderstehende Bäume oder einen tief hängenden Ast. Geh bewusst hindurch und stell dir dabei vor, wie du symbolisch von der hellen in die dunkle Jahreshälfte übertrittst. Was lässt du dabei hinter dir zurück?

Gleichgewichtsübung: Balanciere auf einem Baumstamm oder stell dich für einen Moment auf ein Bein. Diese ganz einfache körperliche Übung hilft oft überraschend gut dabei, auch innerlich wieder zur Ruhe und ins Gleichgewicht zu kommen.

Warum sich das lohnt

In unserem Alltag rasen wir oft von einem Termin zum nächsten, ohne innezuhalten. Der Jahreskreis – und Feste wie Mabon – bieten immer wieder kleine Anker im Jahr, an denen wir uns bewusst mit der Natur und mit uns selbst verbinden können. Du musst dafür keine große Zeremonie abhalten. Manchmal reicht ein bewusster Spaziergang, eine Tasse Tee und ein paar Minuten Stille, um zu spüren, wie gut uns dieser Rhythmus tut.

Die Inhalte dieses Artikels dienen der Inspiration und Wissensvermittlung und ersetzen keine medizinische oder therapeutische Beratung.

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