„Wenn die Zeit steht, soll der Mensch ruhen.“ – Bäuerlicher Spruch aus Oberbayern
„Wenn die Zeit steht, soll der Mensch ruhen.“ – Bäuerlicher Spruch aus Oberbayern
Ich liebe die Rauhnächte – jene magischen Tage zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen, in denen die Zeit stillzustehen scheint und alles möglich wird.
Zahlreiche Mythen, Bräuche und Rituale ranken sich um diese besondere Phase des Jahres. Sie ist ideal, um zu räuchern, zu orakeln, Altes loszulassen und das neue Jahr bewusst zu begrüßen.
In diesem Beitrag erfährst du, was die Rauhnächte bedeuten, woher sie stammen und wie du sie mit einfachen Ritualen in dein Leben integrieren kannst.

Was sind die Rauhnächte?
Die Rauhnächte sind zwölf heilige Nächte „zwischen den Jahren“.
Sie gelten als Schwellenzeit, in der die Grenzen zwischen Diesseits und Anderswelt durchlässig werden.
Der Volksglaube erzählt von Geistern, mythischen Gestalten und der Wilden Jagd – weshalb früher in dieser Zeit weder gewaschen noch gearbeitet wurde, um die Mächte nicht zu verärgern.
Ihr Ursprung ist nicht eindeutig belegt. Eine Erklärung liegt in der Differenz zwischen Mond- und Sonnenjahr: Ein Mondjahr umfasst nur 354 Tage, wodurch elf Tage und zwölf Nächte „außerhalb der Zeit“ entstehen.
Für unsere vorchristlichen Ahnen markierte die Wintersonnenwende einen heiligen Wendepunkt.
Mit der Wiederkehr des Lichts beginnt das Jahresrad sich neu zu drehen.
In dieser stillen Phase ruhte die Arbeit – eine Tradition, die uns modernen Menschen daran erinnert, auch selbst zur Ruhe zu kommen.
Wann finden die Rauhnächte statt?
Je nach Region beginnen die Rauhnächte entweder direkt nach der Wintersonnenwende oder am 24. Dezember und enden am 6. Januar.
Im steirischen Ennstal gelten folgende Nächte als ganz besonders bedeutend:
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Thomasnacht: 21./22. Dezember
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Heiliger Abend: 24./25. Dezember
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Silvester: 31. Dezember/1. Januar
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Perchtennacht: 5./6. Januar
In manchen Gegenden gibt es zwölf Rauhnächte, anderswo nur vier oder sechs.
Mit „Nächte“ sind wahrscheinlich die dunklen, kurzen Wintertage gemeint.
Woher stammen die Bräuche der Rauhnächte?
In Skandinavien heißt es, dass Odin in diesen Nächten mit seiner Wilden Jagd über den Himmel zieht – begleitet von Seelen, Hunden oder Walküren.
Im Alpenraum hingegen führt Frau Percht (auch Perchta oder Berchta) ihr Gefolge an und besucht die Häuser der Menschen.
Diese Mythen spiegeln den alten Glauben wider, dass in den Rauhnächten die Tore zur Anderswelt weit offenstehen.
Es ist eine Zeit des Übergangs, in der Licht und Dunkel, Leben und Tod einander begegnen.
Bräuche und Mythen im Bauern- und Volksglauben
Räuchern am Heiligen Abend
Einer der ältesten Bräuche ist das Ausräuchern von Haus und Stall am Heiligen Abend.
Dazu wurden reinigende und schützende Kräuter verwendet – eine Tradition, die vielerorts bis heute gepflegt wird. Auch bei uns zuhause wurde an jedem Heiligen Abend mit Weihrauch und einer alten Räucherpfanne geräuchert.
Beliebte Kräuter:
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Weihrauch
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Wacholder
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Mistel
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Johanniskraut
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Dost
Wacholder wurde früher besonders genutzt, weil er die Raumluft desinfiziert – vor allem in Ställen.
Frau Percht/Perchta
Am Abend der letzten Rauhnacht ziehen im Alpenraum die Perchten durch die Straßen.
Die weißen Perchten bringen Licht und Segen, während die schwarzen („Schirchperchten“) das Wilde und Chaotische verkörpern.
Als Dank erhalten sie Speisen, Getränke oder kleine Geldbeträge.
In der Mythologie wandert Frau Percht mit den Seelen ungeborener oder verstorbener Kinder.
Frauen mit Kinderwunsch baten sie um Segen und stellten ihr Milch oder Speisen vor die Tür.
Als Kind habe ich es geliebt, mich als Perchtl zu verkleiden und im Dorf von Haus zu Haus zu gehen – es war jedes Jahr ein kleines Abenteuer.

Odins wilde Jagd
Während der Rauhnächte soll Odin mit seiner Wilden Jagd durch die Lüfte reiten – begleitet von verstorbenen Seelen, Hunden, Kriegern oder Walküren, je nach Region.
Meine Oma erzählte mir einmal, dass im Ortsteil der Wörschach Klamm jemand die Wilde Jagd gehört habe.
Wer sie hört, so heißt es, darf sie niemals ansehen – sonst wird man mitgerissen.
Kein Rad darf sich drehen – das Jahresrad steht still
Im bäuerlichen Glauben durfte sich in den Rauhnächten kein Rad drehen.
Die Arbeit wurde vollständig niedergelegt.
Besonders gefährlich galt es, weiße Wäsche aufzuhängen – die Wilde Jagd könnte sich darin verfangen und den Besitzer mitnehmen.
Auch bei den Kelten stand das Jahresrad still, bis Freyrs Eber Gulinborsti es wieder anstieß.
Wetterorakel in den Rauhnächten
Jede der zwölf Rauhnächte steht im alten Volksglauben für einen Monat des kommenden Jahres.
Das Wetter der ersten Nacht entspricht dem Januar, der zweiten dem Februar usw.
Viele Menschen führten Wetter- oder Traumtagebücher – auch meine Oma schrieb jedes Jahr ihre Beobachtungen auf.
Dieses Ritual habe ich übernommen und notiere mir ebenfalls das Wetter der Rauhnächte.
Warum sind die Rauhnächte so besonders?
In diesen Nächten stehen Träume, Visionen und innere Bilder im Mittelpunkt.
Das alte Jahr ist vorbei, das neue noch nicht ganz da – ein Zwischenraum, in dem wir Einfluss auf das kommende Jahr nehmen können.
Die Rauhnächte eignen sich besonders gut zum Räuchern, Reflektieren, Träumen und Loslassen.
Welche Rituale gibt es?
Gönne dir in dieser Zeit möglichst viel Ruhe und Abstand vom Alltag – manchmal reichen schon zehn Minuten am Abend, in denen du eine Kerze entzündest.
Das Motto lautet:
„So wenig Alltag wie möglich.“
Schöne Rituale für deinen Rauhnächte-Alltag:
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Räuchern mit Kräutern violetter oder blauer Blüten (Lavendel, Kornblume, Wegwarte)
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Reinigendes Räuchern mit Beifuß, Wacholder oder Lavendel
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Träume und Visionen in einem schönen Tagebuch festhalten
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Notieren, was du loslassen möchtest
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Wetterbeobachtungen niederschreiben
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Spaziergänge in der Natur
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Ein Strick- oder Häkelprojekt beginnen – wie die Schicksalsweberinnen, die Wünsche ins Gewebe legen
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Milch und Kekse für Frau Holle/Perchta vor die Tür stellen
Fazit – Die Rauhnächte als Zeit des Innehaltens
Die Rauhnächte sind eine stille, heilige Zeit zwischen den Jahren.
Sie sind kein „Programm“, das man abarbeiten muss, sondern ein Stück gelebter Kultur, das uns zu innerer Ordnung, Ruhe und Neubeginn einlädt.
„Alte Rituale überdauern, weil sie das ausdrücken, was der Mensch zu allen Zeiten sucht: Sinn, Schutz und Neubeginn.“
Diese Nächte erinnern uns daran, dass es Phasen des Stillstands braucht, damit Neues entstehen kann – so wie die Natur im Winter Kraft für den Frühling sammelt.
Webinar
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Dort erfährst du:
- wie du alte Traditionen modern und bewusst leben kannst
- welche Bräuche und Räucherkräuter aus dem Alpenraum stammen
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oder durch dieses Kontaktformular:
Die Rauhnächte sind eine Einladung, einfach einmal nichts zu müssen – und sich Zeit für das zu nehmen, was wirklich zählt.
Ich wünsche dir eine schöne Zeit zwischen den Zeiten!
Bildquelle Perchteln:
https://steiermark.orf.at/v2/tv/stories/2815899


