Hast du gewusst, dass dem christlichen Fest Weihnachten ein Fest zugrunde liegt, das viel, viel älter ist?
Es ist die Wintersonnenwende, ein Wendepunkt im Jahreskreis. An diesem besonderen Tag ist die Nacht länger als der Tag. Und gleich nach der Wintersonnenwende beginnen die zwölf heiligen Nächte – die Rauhnächte.
Warum wird die längste Nacht des Jahres auch Mutternacht genannt?
Was macht die Wintersonnenwende zum ersten Fest im Jahreskreis?
Und wie kannst du sie selbst feiern?
Antworten darauf findest du in diesem Artikel.
Was ist die Wintersonnenwende?
Die Wintersonnenwende, im Skandinavischen auch Yule genannt, ist das erste Fest im keltischen Jahreskreis. Sie markiert den Moment, an dem die Sonne ihren tiefsten Punkt erreicht – die längste Nacht des Jahres.
Es ist ein magischer Wendepunkt, denn ab diesem Tag kehrt das Licht zurück und die Tage werden wieder länger.
Die Wintersonnenwende symbolisiert:
-
die Wiedergeburt des Lichts
-
einen kraftvollen Neubeginn
-
einen Wendepunkt im Jahreskreis
Beide Sonnenwenden gehören zu den großen astronomischen Ereignissen des Jahres – und sie hatten für unsere Vorfahren enorme Bedeutung. In einer Zeit in der es weder Elektrizität noch Heizung gab war dieser Wendepunkt überlebenswichtig.
Gerade um die Wintersonnenwende herum erleben wir die Natur in ihrem tiefsten Rückzug. Die Tage sind kurz und dunkel, die Nächte lang und still. Die Laubbäume haben ihre Blätter abgeworfen, viele Tiere halten Winterschlaf, und die Landschaft wirkt häufig fast farblos – grau, ruhig, wie in einer Zwischenzeit.
Doch auch in dieser scheinbaren Leere zeigt sich das Leben:
Das kräftige Grün der immergrünen Pflanzen wie Eibe, Fichte, Tanne, Thuja oder Wacholder, das Rot der letzten Beeren wie Hagebutte und Schneeball und das strahlende Weiß des Schnees.
Diese drei Farben – Rot, Grün und Weiß – begleiten uns traditionell durch die Wintersonnenwende. Sie stehen für Lebenskraft, Herzenergie, Schutz, Reinheit und die Hoffnung auf das wiederkehrende Licht.
Darum prägen sie auch heute noch Yule, Weihnachten und die gesamte Zeit rund um die Rauhnächte.
Wann findet die Wintersonnenwende statt?
Auf der Nordhalbkugel fällt sie meist auf den 21. oder 22. Dezember. In diesem Moment erreicht die Sonne ihren südlichsten Stand und wendet sich wieder nach Norden.
Dass dieses Fest schon seit Jahrtausenden gefeiert wird, zeigen Bauwerke wie Stonehenge, die genau auf diesen Sonnenstand ausgerichtet sind.
Später übernahm die katholische Kirche dieses alte keltische Fest und wandelte es in das Weihnachtsfest um.
Wo hat das Fest seine Wurzeln?
Die Wintersonnenwende – auch Yule, Midwinter oder Weihnachten – wird seit unzähligen Generationen gefeiert. Unsere keltischen Vorfahren ehrten an diesem besonderen Tag die Wiedergeburt des Lichts.
Da die Kelten eine matrilineare Gesellschaft waren, hatten die Mütter bzw. Frauen einen besonderen Stellenwert. Daher heißt diese Nacht in manchen Traditionen auch „Modranith“ oder Mütternacht.
Die große Göttin, die Mutter Erde, gebar zur Wintersonnenwende das Lichtkind. In einer Zeit ohne Strom, Heizung oder warme Häuser war Licht überlebenswichtig. Menschen sehnten diesen Wendepunkt herbei – von der Dunkelheit zurück ins Licht, von der Stille in die Hoffnung.
Mit dem Licht beginnt auch das neue Leben.
In den skandinavischen Ländern wird die Wintersonnenwende (und das spätere Weihnachtsfest) noch heute als Julfest gefeiert. Jul bedeutet „Rad“ – das Sonnenrad, das Jahresrad, den Kreislauf des Lebens.
Was sind die Themen des Fests?
Zur Wintersonnenwende feiern wir die Wiedergeburt des Lichts – und damit die Rückkehr der Hoffnung.
Die Mutter gebiert in der längsten Nacht das Lichtkind, und mit ihm kehrt Zuversicht zurück.
Du kannst dich in dieser Zeit fragen:
-
Was möchte aus mir heraus geboren werden?
-
Welches Licht möchte ich in dieser dunklen Zeit in die Welt tragen?
Wie wird die Wintersonnenwende gefeiert?
Jahreskreisfeste werden immer beliebter, und viele Menschen feiern heute wieder Yule oder die Wintersonnenwende.
Viele Bräuche stammen aus dem Norden – aus den Ländern, in denen Weihnachten bis heute Jul heißt.
Symbole der Wintersonnenwende
Das wichtigste Symbol ist das Feuer, denn es steht für das Licht.
Aber auch die Spirale ist bedeutend, weil sie den Wendepunkt symbolisiert – und genau das ist die Wintersonnenwende: ein Wendepunkt im Jahreskreis.
Wichtige Symbole:
- (Jul)Feuer
- Fackeln
- Herdfeuer
- Sonne
- Spirale
- Fliegenpilz
- Farben Rot, Grün und Weiß
- Julbier oder Met
- Kerzen
- Immergrüne Pflanzen
- Julbock
- Rad (Sonnen- oder Jahresrad)
Immergrüne Pflanzen stehen für das Leben. Die Spirale für den Wandel.
Der Julbock ist dem Gott Thor/Donar geweiht.
Und das Rad steht für das Jahresrad, das in den Rauhnächten symbolisch stillsteht.
Pflanzen der Wintersonnenwende

Zu den Pflanzen dieses Festes zählen vor allem immergrüne Pflanzen wie Eibe, Fichte, Tanne – aber auch Mistel und Stechpalme.
Die Stechpalme kennst du vielleicht aus dem Lied „Christmas Carol“ – „Deck the halls with boughs of holly“.
Mit holly sind Stechpalmenzweige gemeint.
Fichte und Tanne sind wahre Helfer in der Erkältungszeit. Aus Fichtenharz wird etwa Pechsalbe hergestellt. Eine einfache Möglichkeit, eine verstopfte Nase zu lösen, ist eine Inhalation mit Fichtennadeln:
Frische Nadeln in einen Topf, kochendes Wasser darüber, vorsichtig darüberbeugen und 10 Minuten inhalieren.
Immergrüne Pflanzen geben uns Hoffnung, weil sie zeigen:
Das Leben bleibt – auch im tiefsten Dunkel.
Sie tragen die Kräfte des Winters und den Geist des Waldes in sich.
Die Mistel galt lange als „Allheilmittel“. Maria Treben setzte sie z. B. als Salbe ein.
Weitere Rezepte findest du hier (falls du verlinken möchtest).
Rituale für die Wintersonnenwende
Die Wintersonnenwende ist ein wunderbarer Zeitpunkt, um mit dem alten Jahr abzuschließen und sich auf das neue vorzubereiten.
Vor allem in den darauffolgenden Rauhnächten kannst du alles „einweben“, was du dir für das kommende Jahr wünschst.
Rituale, die du wunderbar feiern kannst:
- eine Kerze oder ein Feuer im Garten entzünden
- eine Spirale legen, mit einer Kerze hineingehen, innehalten und wieder hinausgehen
- dich und dein Zuhause räuchern
- Frau Percht oder Naturwesen eine Schale Milch vor die Tür stellen
- einen Kranz binden und Wünsche hineinweben
- eine Kerze gießen
- einen Spaziergang machen und die letzten roten Beeren entdecken
- einen Spaziergang am Abend machen und die Dunkelheit rund um dich wahrnehmen
- eine Waldweihnacht feiern

Zu meinen liebsten Ritualen gehören das Räuchern, das Gestalten einer Stein- oder Naturspirale und ein langer Spaziergang durch die winterliche Landschaft, um die Energie der Jahreszeit wirklich zu spüren.
Fazit – die Wintersonnenwende
Die Wintersonnenwende ist ein Fest der Hoffnung, der Geburt des Lichts und des neuen Lebens.
Sie zeigt uns, dass selbst in der dunkelsten Zeit etwas Neues entstehen kann.
Dass Licht immer zurückkommt.
Und dass Wandel Teil unseres Weges ist.
Ein Geschenk von mir an dich
Wenn du die Wintersonnenwende noch bewusster gestalten möchtest, habe ich etwas Schönes für dich:
Ich schenke dir eine PDF mit Reflexionsfragen zur Mutternacht und einer Übersicht der wichtigsten Räucherpflanzen für Yule und die Rauhnächte.
Trage dich einfach unten ein, und ich sende sie dir per E-Mail zu.


